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Fischadlershooting mit einem Durchzügler.

Aktualisiert: 5. Sept. 2023

Ein in unseren Breiten eher seltenes Glück !



Wer kennt sie nicht, die faszinierenden Tier- und Naturdokumentationen über diesen wunderschönen kleinen Adler, die hervorragenden Reportagen und Videos von Mark Smith aus Florida und die gezeigten Fotos von geführten Touren durch bekannte Ranger in Foren, die diesen Vogel bei der erfolgreichen Jagd zeigen ?


Was habe ich diese Fotos immer bewundert und mir vorgenommen, auch einmal eine solche geführte Tour zu unternehmen, oder eine Reise nach Florida anzutreten, nur um diesen Vogel einmal schön ablichten zu dürfen, der ja leider in unsren Breitengraden nur in den Monaten März bis April und August bis September vorkommt.


Nämlich dann, wenn sich die Vögel mal wieder auf dem Zug aus und in die Brutreviere befinden und sich an einigen Futterplätzen in den näheren Umgebungen für ein ganz kleines Zeitfenster aufhalten,


Ich selbst beobachte immer die Meldungen aus 3 mir bekannten Habitaten, in denen die Vögel ab und zu für ein paar Tage vorkommen.


Das ein oder andere "Belegfoto" gelang mir dort immer mal wieder, aber leider meist nur auf extrem lange Distanzen, oder Fotos gegen den hellen Himmel.


Schön war es jedoch immer, diese wunderschönen Vogel stundenlang überhaupt beobachten zu dürfen.


Vor kurzem sollte sich dies jedoch seit Jahren zum ersten mal ändern, denn ein junger unberingter Adler schien sehr Gefallen an einem der Habitate mit reichlich Fischvorkommen zu haben und erlaubte mir über Tage ihn ausgiebig zu beobachten und fotografieren zu dürfen.


Somit möchte ich Euch heute mit auf die 3 tägige Reise nehmen, meine Beobachtungen mit Euch teilen und ein paar Infos zu den Kameraeinstellungen mitgeben, da das Wetter zwischen Sonne, Wolken, Starkregen und Sturm alles zu bieten hatte.


Viel Spaß mit dem virtuellen Kurztrip und den Fotos !!


Tag -1 !


Immer die 3 bereits genannten Habitate in Ornitho im Blick und durch regen Austausch mit einigen Fotokollegen, kam einmal wieder eine Meldung über eine Sichtung rein.


So wie immer war nicht klar, ob es ein Durchzügler war, der sich erst gar nicht niederließ oder ob es sich um einen "Tagesgast" handelte, der in dem weitreichenden Areal oftmals nur Schemenhaft in den Baumkronen erkennbar ist, in dem er rastet oder futtert.

Aber schön zu wissen, daß der Zug im Gange war und die die ersten Adler bereits gesichtet wurden.


Da ich Urlaub hatte, dachte ich mir "Fahr doch einfach mal hin und mach Dir selbst ein Bild vor Ort !"


Tag 1 !


So richtig toll war das Wetter beim Blick aus dem Fenster um 04.30 Uhr ja nicht. Der Nieselregen passte so gar nicht zur Blende 8 meiner Lieblingskombi und ich fand es echt schade, daß, wenn schon mal eine solche Möglichkeit bestand, gerade dann die Wetteraussichten für die nächsten 3 Tage wirklich nicht so dolle waren.

Aber nach der zweiten Tasse Kaffee erinnerte ich mich wieder an den Trip zu den Sumpfohreulen in Holland und hoffte auf das gleiche Wissen der Wetterexperten.


Rucksack war gepackt, Akkus für 2 Tage voll (dachte ich !!) und Speicherkarten für ca. 7000 Fotos sollten reichen.

Nach ca. 1h Fahrt kam ich in dem mir bekannten Gebiet an und es war immerhin trocken, so daß ich zunächst einmal auf Wanderschaft ging, immer den Himmel über mir im Blick.

Einen Fischadler kann man eigentlich im Flug nicht übersehen, denn er hebt sich deutlich von der Form der "Einheimischen" Arten ab. Alleine schon das Weiße Gefieder an der Unterseite verraten ihn doch recht schnell.


Wie vermutet war erst einmal nichts zu sehen, aber ich konnte wenigstens ein paar Eisvögel beobachten und einen ganz gut vor die Linse bekommen.


So schoß ich mich auch noch mit ein paar Nilgänsen "warm" um die passenden Einstellungen an der Kamera den Umgebungsbedingungen anzupassen. War ja kein Problem, da ich ja 3 volle Akkus dabei hatte. Also massig Energie im Gepäck.

Von der Größe her und der Geschwindigkeit im Flug kann man, wie in den Fotos bei Regen zu sehen, auch gut mal bis auf eine 1/800s erhöhen, um schöne scharfe Aufnahmen bei widrigen Bedingungen zu erhalten.


Gegen 15.00 Uhr war er dann wirklich zu sehen und mein Adrenalinpegel ging schon wieder deutlich in die Höhe.

Ein paar Fotos gegen den dunklen Himmel waren machbar aber wirklich nicht zeigbar.

Aber direkt ein paar Minuten später kam er dann gegen den Wind auf einen anderen Ast angeflogen und breitete vor der Landung im Gleitflug schön seine Flügel aus.

Es stellte sich in den folgenden Tagen heraus, daß er diesen, noch immer sehr weit entfernten kahlen Stamm als einen seiner Futterplätze auserkoren hatte.


Hunger schien er zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu haben und so flog er immer mal über den See und ließ sich hier und da mal in einer Entfernung von 100-200m nieder um zu beobachten oder vom Wind durch die Lüfte getragen zu werden.


2 Stunden später änderte sich die Situation dann plötzlich als er an der anderen Seite vom See anfing zu jagen.

Der Hunger hatte gesiegt und nach ein paar Fehlversuchen von dem Jungspund kam er plötzlich mit Beute hoch über den See direkt auf mich zugeflogen.


Die Spannung stieg, da der Wind so stand, daß er, um den Futterplatz zu erreichen, ein U gegen den Wind fliegen musste.

Und tatsächlich ließ er sich mit Beute aus der Höhe absacken, um genau vor mir gegen den Wind den Futterplatz anzuvisieren, die Flügelspannweite voll auszunutzen und sich dann auf den Platz gleiten zu lassen.

Eine wirklich beeindruckende Flugschau die er schon am ersten Tag dort ablieferte.


Jetzt musste ich nur noch den Autofokus anpassen und mit der Einstellung "Spot" durch die Vegetation anvisieren.

Leichter gesagt als getan mit Adrenalin im Blut, dem Tempo mit dem er ankam und der Angst diesen schönen Augenblick nicht einfangen zu können.

560mm / f8 / ISO 4000 / 1/2000s


Also mehr kann man am ersten Tag wohl wirklich nicht erwarten.

DENKSTE !!


Nun kam für mich wohl der schönste und auch der grausamste Teil des ersten Tages auf mich zu.

Ich hatte nämlich noch nie beobachtet, wie ein Fischadler einen Fisch frisst.

Beim Eisvogel geht das relativ flott:

- Fangen

- Betäuben

- Fressen

Der Fischadler betäubt nicht sondern frisst den Fisch vom Kopf her bei lebendigen Leibe, Stück für Stück auf.

Der Fisch zappelte noch, als der Kopf schon bis zur Hälfte aufgefressen war.

Kein Biss ins Genick und keine Betäubung !


So schön die Natur auch meistens ist, für den Unterlegenen kann sie oft Gnadenlos enden.


560mm / f8 / ISO 500 / 1/500s


Trotzdem sehe ich das Foto als schöne Naturdokumentation an, die ich Schnarchnase fast verpasst hätte, da sich beim kurz vorher erfolgten Akkuwechsel herausstellte, daß Akku Nr.3 nur noch 9% Kapazität hatte.

Also endete Tag Nr.1 mit mehr Glück als Verstand.


Tag 2 !


Angefixt von Tag Nr.1 konnte ich den folgenden Tag gar nicht erwarten.

Ich war zu 100% sicher, daß ich weitere Aufnahmen machen kann und um 04.30 Uhr grüßte mal wieder das Murmeltier.


Wetter.com : Starkregen und Sturmböen bis 70km/h ! Juhhuuuu !!

Dunkle Wolken, kein Licht, warum hab ich kein 400/2.8 ??


Aber dieser Tag brachte von allen Dreien die meiste Abwechslung und für meinen persönlichen Geschmack die für mich spektakulärsten Eindrücke.

Der Tag glich zunächst dem Vortag.

Morgens wenig los, das Wetter gleich und der Adler ohne Hunger aber immer mal mit ordentlich Abstand über den See fliegend.


Himmel grau, wenig Kontrast und vom Vortag schon ziemlich verwöhnt, malte man sich schon wieder das Foto aus, welches immer wieder in den Foren veröffentlich wird und man selbst gerne mal im Kasten hätte :

- Eine Ebene mit dem Adler Auge in Auge, nass mit Fisch auftauchend im Abendlicht !

Pustekuchen !!

Das wird heute nix mehr, da es mehr und mehr zuzog.


Während ich aber so vor mich hinträumte bemerkte ich nicht, daß der Adler rechts hinter mir oben im Baum saß und auf Seine Beute bereits lauerte.


Ich sah nur noch einen Schatten von rechts, hörte ein Platschen und riss die vorbereitete Kamera hoch und hielt drauf.


560mm / f8 / ISO 2000 / 1/1600s


Ein Foto gelang dann auch und ich konnte den Jagderfolg formatfüllend dokumentieren.


In diesem Foto sieht man aber auch schon, daß die Meteorologen recht behalten sollten.

Die Spiegelung des Himmels im Wasser deutete auf die Wetterwarnung hin und es kam richtig heftig.


Alle Vögel egal ob vorher in der Luft oder auf dem Wasser waren plötzlich verschwunden als das Unwetter aufzog.


Und der Fischadler ?


560mm / f8 / ISO 2500 / 1/800s


Als ob rein gar nichts passieren würde drehte dieser bei Sturm, Starkregen und böigem Wind seine Runden über dem See, als ob das, das normalste Wetter der Welt wäre.


Der Vogel faszinierte mich immer mehr !!


Ich war völlig perplex und versuchte so gut wie möglich dieses Verhalten im Foto festzuhalten und für mich wurden einige dieser Fotos zu meinen persönlichen Highlights an diesen 3 Tagen.


560mm / f8 / ISO 6400 / 1/800s

560mm / f8 / ISO 5000 / 1/800s


Das Wetter beruhigte sich danach wie im Film von Wolfgang Petersen "Der Sturm (Originaltitel: The Perfect Storm)" und die Abendsonne leuchtete das wunderschöne Tier noch einmal wirklich in seiner vollen Pracht aus.

560mm / f8 / ISO 320 / 1/2000s


Was für ein Tag und was für Erlebnisse an diesem einen einzigen Tag.

Was will man mehr ?


Tag 3 !


Ihr wisst es ja, 04.30 Uhr, zwei Kaffee aber diesmal war mir der Wetterbericht schnuppe.

Ich nehme was kommt, nur über das T-Shirt vom vorigen Tag kam nun ein Fleecepulli und eine Wolljacke, da der Tag zuvor doch Arschkalt war.


An Tag 3 war dann nicht mehr so viel Action geboten.

Ein paar Vorbeiflüge und ein schön im Abendlicht präsentierter Fisch sollten den Abschluss von 3 wunderschönen Tagen in der Natur bilden.


560mm / f8 / ISO 800 / 1/2500s

560mm / f8 / ISO 640 / 1/1600s


Ich hoffe ich konnte Euch die Eindrücke ein wenig näherbringen, die Fotos gefallen und wenn dies so sein sollte hinterlasst doch einfach einen Kommentar oder ein "Like".


Ich würde mich sehr darüber freuen.


Aber selbstverständlich bin ich auch über jede Art von sachlicher Kritik froh.


Ich danke hier auch einigen Forenkollegen aus dem Sony-Userforum, die mir bei einigen Fotos in Bezug auf den Weißabgleich bei der Entwicklung einige Tipps gegeben haben !


Grade die Aufnahmen gegen den Himmel waren nicht so einfach zu entwickeln und da lag ich mit dem Weißabgleich wohl etwas weit daneben.


Danke Jungs !!


Ich wünsche Euch allen wie immer eine traumhafte Zeit in der Natur !


Euer Dirk





















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